Berufswunsch Zukunftsgestalter?

12.03.2020

Dual, digital, innovativ – Prof. Dr. Jochen Brune im Interview zum neuen berufsbegleitenden Bachelorstudienprogramm Digital Engineering & Management (B.Sc.)


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Interview: Simone Löffler

Dual, digital, innovativ – in der neuen Ausgabe des Hochschulmagazines camplus spricht Professor Dr. Jochen Brune im Interview über das neue berufsbegleitende Bachelorstudienprogramm Digital Engineering & Management (B.Sc.) der Knowledge Foundation @ Reutlingen University in Kooperation mit der Fakultät Technik, das im Herbst 2020 an den Start geht.

Wie ist die Idee zum neuen Wirtschafts-Ingenieur entstanden?  
Unternehmen verschiedenster Branchen müssen sich derzeit den Herausforderungen des digitalen Wandels stellen. Hierzu sind hochqualifizierte Mitarbeitende erforderlich, die mit einem einzigartigen Set an Kompetenzen ausgestattet sind, so dass sie crossfunktional denken und handeln können. Solche Mitarbeitende sind derzeit am Arbeitsmarkt nur schwer zu finden.  
Im Landkreis Ludwigsburg haben deshalb namenhafte Unternehmen aus der Automotive- und der Finanzbranche, dem Maschinenbau und der IT-Branche den Kontakt mit der Hochschule Reutlingen gesucht, um diesem Mangel durch ein eigens entwickeltes Studienprogramm entgegen zu wirken.  Aus diesem visionären Austausch entstand das neue berufsbegleitende Studienprogramm Digital Engineering & Management (B.Sc.), kurz DEM, dass eine Weiterentwicklung des klassischen Wirtschaftsingenieur-Studiums darstellt. Es vereint Inhalte aus den Bereichen Technik, IT und Wirtschaft vereint, so dass sich die Interessen aller beteiligter Branchen und Unternehmen darin wiederfinden.

Im Kontext digitaler Wandel fällt häufig das Schlagwort VUCA – was verbirgt sich dahinter?
Der Begriff VUCA (engl.: Volatility, Uncertainty, Complexity, Ambiguity) fasst die Herausforderungen zusammen, denen wir uns in der digitalen Transformation stellen müssen. Märkte und Technologien unterliegen in Zukunft einer hohen Schwankungsintensität und werden zudem von Ungewissheit, Komplexität und Mehrdeutigkeit geprägt sein. Vorhersagen werden schwieriger und die von uns so sehr geschätzte Stabilität wird eher die Ausnahme als die Regel werden. Dies stellt natürlich besondere Anforderungen an Unternehmen und ihre Mitarbeitenden.
Die technologischen Veränderungen, die auf die verschiedenen Branchen und Unternehmen zukommen, werden durch Begriffe wie Big Data, Internet of Things, Industrie 4.0 und Künstliche Intelligenz skizziert. Sie führen parallel zu einer Revolution von Geschäftsmodellen, Kundenschnittstellen und unternehmerischen Wertschöpfungsprozessen.

Und das Handwerkszeug für diese Revolution erhält man ab Herbst 2020 in Kornwestheim. Warum fiel die Wahl auf das Salamander Areal?
Kornwestheim steht für eine überaus gelungene Transformation von der Old Economy zur New Economy: Seit Ende des 19. Jahrhunderts war es die Heimat des weltweit bekannten Schuhkonzerns Salamander.
Seit Beginn des 21. Jahrhunderts haben High-Tech-Unternehmen in die ehemaligen Salamander-Produktionshallen Einzug gehalten. Das TechMoteum, ein Inkubator, bietet innovativen Gründern aus den Bereichen Mobilität, Technik und Umwelt die erforderliche Unterstützung an, um ihre Ideen in innovative Produkte umzusetzen. Diesen einzigartigen, innovativen Spirit wollen wir auch unseren Teilnehmenden vom ersten Tag an vermitteln.

An wen richtet sich das Programm und was ist das Besondere?
Der DEM wendet sich an Schulabsolventen mit überdurchschnittlichem Abitur oder Fachhochschulreife, die sich umfassend auf die Chancen der digitalen Zukunft vorbereiten wollen. Des Weiteren richtet es sich an Mitarbeitende aus Unternehmen aller Branchen, die die Herausforderungen der Digitalisierung meistern wollen.
Inhaltlich adressiert es die wichtigsten Schwerpunktthemen der digitalen Transformation. Hierzu zählen beispielsweise autonomes Fahren, Elektromobilität, digitale Produktentwicklung, Internet of Things, Cloud Computing und agiles Management. Selbstverständlich werden auch die hierfür erforderlichen Grundlagen aus Mathematik, Ingenieurwissenschaften und Informatik vermittelt. Das Programm versetzt die Teilnehmenden in die Lage, über den eigenen fachlichen Tellerrand hinauszublicken, Visionen für die Wirtschaft von morgen zu entwickeln, agil zu führen und Lösungen zu realisieren, die der Markt wirklich braucht.

Welche Bedeutung kommt hier dem Thema Interdisziplinarität zu?
Die Hochschule Reutlingen eröffnet schon immer vielseitige interdisziplinäre Bildungs- und Entwicklungschancen. Dies zeigt sich nicht zuletzt in der hervorragenden Zusammenarbeit zwischen den Fakultäten. Im DEM ist diese Interdisziplinarität besonders deutlich sichtbar. Gerade weil wir auf die VUCA-Welt zusteuern, erfordert der digitale Wandel interdisziplinäre Fähigkeiten. Dazu zählen ingenieurwissenschaftliche Grundlagen und Informatik genauso wie Betriebswirtschaftslehre, Projekt- und Prozessmanagement sowie Führungs- und Sozialkompetenzen.

Gibt es schon Pläne für die Zukunft?
Das Interesse der Unternehmenspartner an Masterprogrammen ist sehr groß. Wir planen daher für die Zukunft mindestens ein Masterprogramm, um einerseits derzeitigen Mitarbeitenden eine vertiefte Qualifikation anbieten zu können. Andererseits wollen wir auch den zukünftigen DEM-Absolventen interessante Perspektiven bieten.

Vielen Dank für das Gespräch!

 

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